Siebte Dekade
2020–heute: COVID, Leverkusen Invincible, der Graben und die neue Bundesliga
1. Die Stille
Am 11. März 2020 spielen Borussia Mönchengladbach und der 1. FC Köln im Borussia-Park gegeneinander. Es ist das erste Geisterspiel der Bundesliga-Geschichte. Wo normalerweise 54.000 Menschen singen, pfeifen und leiden, herrscht eine gespenstische Ruhe. Man hört die Spieler rufen, die Stollen auf dem Rasen, den Ball am Pfosten. Auf den Tribünen stehen Pappfiguren mit aufgedruckten Fangesichtern — ein Bild, das stellvertretend für eine ganze Epoche steht. Zwei Tage später stellt die DFL den Spielbetrieb ein. Die COVID-19-Pandemie hat Europa erreicht, und der Fußball hält den Atem an.
66 Tage lang rollt kein Ball in der Bundesliga. 13 der 36 Profiklubs stehen vor der Insolvenz. Die TV-Gelder, Lebensader einer Liga, die 15 Jahre lang nur Umsatzrekorde kannte, fließen nur, wenn gespielt wird. Also wird gespielt. Am 16. Mai 2020 nimmt die Bundesliga als erste große Liga weltweit den Spielbetrieb wieder auf — in leeren Stadien, mit Hygienekonzepten, die wie Science-Fiction wirken. Abstandsregeln auf der Ersatzbank, Desinfektion der Eckfahnen, Jubel ohne Umarmungen, Interviews mit zwei Meter Abstand. Einwechselspieler sitzen mit Mundschutz auf der Tribüne verteilt wie Schachfiguren.
Die Fußballwelt schaut auf Deutschland. Die Bilder der leeren Ränge gehen um den Globus. Sender aus 188 Ländern übertragen Bundesliga-Spiele, die unter normalen Umständen niemand im Ausland wahrgenommen hätte. Und der FC Bayern München beendet diese surreale Saison, wie er die meisten Saisons beendet: als Meister. Im August 2020 holt die Mannschaft von Hansi Flick im menschenleeren Estádio da Luz in Lissabon das Triple — Bundesliga, DFB-Pokal und Champions League. Robert Lewandowski trifft im Finale gegen Paris Saint-Germain. Es ist der sechste Champions-League-Titel der Vereinsgeschichte, errungen unter Bedingungen, die sich kein Drehbuchautor hätte ausdenken können. Die Feier findet im Mannschaftsbus statt.
2. Lewandowskis ewiger Rekord und Schalkes Absturz
Die Saison 2020/21 wird dominiert von einem Mann und einem Countdown. Robert Lewandowski jagt Gerd Müllers Rekord von 40 Toren in einer Bundesliga-Saison, aufgestellt 1971/72 — ein Rekord, der 49 Jahre lang als unantastbar galt. Der Pole hat Mühe mit Verletzungen, verpasst mehrere Spiele, und doch rückt die Marke näher. Am 34. Spieltag, dem letzten der Saison, steht er bei 40 Treffern. Gleichstand mit dem Bomber. In der 90. Minute, als die Zeit zu verrinnen droht, trifft Lewandowski gegen den FC Augsburg zum 41. Mal. Er sinkt auf die Knie. Im Stadion sind pandemiebedingt nur wenige tausend Zuschauer, aber der Moment ist zeitlos. Gerd Müllers Witwe Uschi gratuliert öffentlich: „Ich hätte mir gewünscht, dass Gerd das noch erleben kann." Müller, seit Jahren an Alzheimer erkrankt, stirbt ein Jahr später im August 2022 in einem Pflegeheim bei München. Mit ihm geht der größte Torjäger, den der deutsche Fußball hervorgebracht hat.
Bayern wird zum neunten Mal in Folge Meister. Die Serie wird zur Gewissheit, die Spannung zur Farce. Aber die wahre Geschichte dieser Saison schreibt ein anderer Verein: Der FC Schalke 04, einst Dauergast in der Champions League, erlebt den dramatischsten Absturz der Bundesliga-Geschichte. 30 Spiele ohne Sieg — ein Negativrekord, der alles sprengt. Die Mannschaft gewinnt nur ein einziges Bundesliga-Spiel in der gesamten Saison. Missmanagement über Jahre, ein aufgeblähter Kader mit millionenschweren Verträgen für mittelmäßige Spieler, erdrückende Schulden von über 200 Millionen Euro, toxische Vereinspolitik und ein Aufsichtsrat im Dauerclinch. Am Ende steht der Abstieg eines Klubs, der sich für zu groß zum Scheitern hielt. Die Veltins-Arena, einst Kathedrale des Ruhrgebiets, wird zum Mahnmal für die Folgen von Größenwahn. Schalke stürzt in die zweite Liga, steigt 2022 kurz wieder auf, steigt 2023 sofort wieder ab. Stand 2026 spielt der Klub in der zweiten Liga. Ein Traditionsverein im freien Fall — und ein Warnsignal für die gesamte Branche.
3. Frankfurts Nacht von Sevilla und die Anderen
Es gibt Nächte, in denen der Fußball sein Versprechen einlöst. Der 18. Mai 2022 in Sevilla ist so eine Nacht. Eintracht Frankfurt, in der Bundesliga Mittelmaß, nicht einmal über die Liga für Europa qualifiziert, sondern über den DFB-Pokal, gewinnt die Europa League. Im Elfmeterschießen gegen die Glasgow Rangers, nach einem Turnier, das die Eintracht-Fans in einen kollektiven Rausch versetzt hat. In Barcelona hatten sie Camp Nou geentert, 30.000 in einem Stadion, das eigentlich dem Gegner gehörte. In Sevilla übernehmen sie die Stadt: 100.000 Frankfurter, obwohl das Stadion nur 40.000 fasst. Auf den Plätzen, in den Bars, auf den Dächern. Als Kevin Trapp den entscheidenden Elfmeter hält, explodiert eine Stadt, die 800 Kilometer von der Heimat entfernt liegt. Es ist der erste deutsche Europapokalsieg außerhalb Münchens seit Dortmunds Champions-League-Triumph 1997 — ein Vierteljahrhundert Dürre, beendet von einem Klub, den in Europa niemand auf der Rechnung hatte.
In der Bundesliga regiert derweil die Routine: Bayern wird 2022 zum zehnten Mal in Folge Meister, 2023 zum elften Mal. Julian Nagelsmann, als jüngster Trainer der Vereinsgeschichte geholt, wird nach eineinhalb Jahren entlassen und durch Thomas Tuchel ersetzt. RB Leipzig durchbricht eine andere Schallmauer: Zwei DFB-Pokalsiege in Folge, 2022 und 2023 — für einen Verein, der erst seit 2016 in der Bundesliga spielt, eine bemerkenswerte Trophäensammlung. Union Berlin, der Kultklub aus Köpenick, qualifiziert sich sensationell für die Champions League 2023. Die Eisernen in der Königsklasse — wer hätte das 2019, als sie zum ersten Mal in die Bundesliga aufstiegen, für möglich gehalten? Und der SC Freiburg unter Christian Streich, dem dienstältesten Trainer der Liga, erreicht 2022 das DFB-Pokalfinale und spielt regelmäßig in Europa — der gallische Verein der Bundesliga auf seinem Höhepunkt. Als Streich im Sommer 2024 nach 29 Jahren seinen Abschied von Freiburg nimmt, applaudiert eine ganze Liga.
4. Leverkusen — Die Unbesiegbaren
Über Generationen hinweg war „Vizekusen" das grausamste Wort im deutschen Fußball-Vokabular. Fünf Mal Zweiter in der Bundesliga, das verlorene Champions-League-Finale 2002 gegen Real Madrid, die vergeigten Titel am letzten Spieltag — Bayer 04 Leverkusen hatte sich in die Rolle des ewigen Zweiten so tief hineingespielt, dass selbst die eigenen Fans nicht mehr an die Erlösung glaubten. Der Witz „Meister? Das sind die anderen" war keine Pointe mehr, sondern Identität.
Dann kommt Xabi Alonso. Der Baske, als Spieler Weltmeister mit Spanien und Champions-League-Sieger mit Real Madrid und Bayern München, übernimmt im Oktober 2022 eine Mannschaft im Abstiegskampf. Sein erster Auftrag: das Überleben sichern. Was folgt, ist die erstaunlichste Transformation der Bundesliga-Geschichte. In der Saison 2023/24 gewinnt Bayer 04 Leverkusen die Deutsche Meisterschaft — und zwar ohne eine einzige Niederlage. 34 Spiele, 28 Siege, 6 Unentschieden, 0 Niederlagen. Kein Bundesliga-Meister vor ihnen hat das geschafft. Nicht die Bayern unter Guardiola, nicht die Bayern unter Heynckes, nicht Dortmund unter Klopp. Niemand.
Am 29. Spieltag ist es vollbracht: Ein 5:0 gegen Werder Bremen besiegelt den Titel vorzeitig. Dazu kommt der DFB-Pokal — das erste Double der Vereinsgeschichte. Florian Wirtz, gerade 20 Jahre alt, spielt eine Saison für die Geschichtsbücher. Granit Xhaka, von Arsenal als überzählig abgegeben, wird zum Metronom des Spiels. Und Alonso, der alles hätte haben können — Real Madrid klopfte an, Bayern München klopfte an — bleibt. Zumindest für eine weitere Saison. Die Bayern-Serie von elf Meisterschaften in Folge ist gebrochen. VfB Stuttgart wird Überraschungszweiter und qualifiziert sich nach Jahren der Mittelmäßigkeit wieder für die Champions League. „Vizekusen" ist Geschichte. Es heißt jetzt „Meisterkusen" — und für eine Saison auch „Invinciblekusen".
5. Bayern — Krise und Restauration
Der FC Bayern München kennt keine Krisen. So lautete das Selbstbild, das über Jahrzehnte Bestand hatte. Die Saison 2023/24 widerlegt es gründlich. Zum ersten Mal seit 2012 werden die Münchner nicht Deutscher Meister. Thomas Tuchel, nach Nagelsmanns Entlassung als Retter geholt, scheitert an den eigenen Ansprüchen und an einer Mannschaft im Umbruch. Robert Lewandowski, 2022 im Streit nach Barcelona gewechselt, fehlt als Torgarant. Die Nachfolgesuche wird zur Dauerbaustelle. Sadio Mané kommt und geht nach einer Saison, Harry Kane trifft zwar am Fließband, aber die Defensive wackelt, die Balance stimmt nicht.
Tuchel geht im Sommer 2024, Vincent Kompany kommt — der Belgier, als Spieler eine Legende bei Manchester City, als Trainer ein Experiment. Burnley hatte er als Aufsteiger nicht halten können. Doch bei Bayern gelingt Kompany die Restauration. In der Saison 2024/25 holt er den 34. Meistertitel zurück nach München. Thomas Müller, der ewige Bayer, feiert seine 13. Deutsche Meisterschaft — kein Spieler in der Bundesliga-Geschichte hat mehr Titel gewonnen. Jamal Musiala, mit 22 Jahren kreativ und unberechenbar, wird zum neuen Gesicht des Klubs und zum Spieler, um den sich die Zukunft dreht. Doch der Champions-League-Titel, die wahre Sehnsucht an der Säbener Straße, bleibt unerreicht. Seit dem Triumph 2020 in Lissabon wartet München — und die Wartezeit wird mit jeder Saison schwerer.
6. Die Strukturdebatte
Abseits des Rasens erlebt die Bundesliga ihre tiefgreifendste Identitätskrise seit der Gründung 1962. Im Februar 2024 kippt der größte Deal der DFL-Geschichte: CVC Capital Partners, ein Finanzinvestor aus London, sollte für rund zwei Milliarden Euro eine Beteiligung an den Medienrechten der Liga erwerben. Geplant waren Investitionen in Internationalisierung, Digitalisierung und Infrastruktur — Geld, das die Liga dringend braucht, um im Wettlauf mit der Premier League nicht vollends abgehängt zu werden. Doch die Fans mobilisieren wie nie zuvor. Bei jedem Bundesliga-Spiel fliegen Tennisbälle auf den Rasen, Transparente fordern „Fußball statt Finanzprodukt", Spielunterbrechungen werden zur Norm. Die Proteste sind so massiv und so medienwirksam, dass die DFL den Deal im Februar 2024 abbricht. Hans-Joachim Watzke, Sprecher des DFL-Präsidiums, sagt nüchtern: „Wir müssen ganz neu anfangen."
Die 50+1-Regel, das Herzstück der deutschen Fußball-Identität, gerät parallel unter Druck. Martin Kind, Geschäftsführer von Hannover 96, wird zur Symbolfigur des Konflikts zwischen Kapital und Tradition. Das Bundeskartellamt prüft die Regel auf ihre wettbewerbsrechtliche Zulässigkeit. Einzelne Vereine suchen ihre eigenen Wege: Werder Bremen holt sich einen Investor, der VfB Stuttgart ebenfalls. Und Hertha BSC wird zum abschreckenden Beispiel. Lars Windhorst investiert 375 Millionen Euro in den selbsternannten „Big City Club" aus Berlin — und scheitert auf ganzer Linie. Hertha steigt 2023 in die zweite Liga ab, Windhorst zieht sich zurück. Es ist das teuerste Scheitern der Bundesliga-Geschichte. Der nächste Investor, 777 Partners aus Miami, übernimmt Anteile — und scheitert ebenfalls.
Der VAR, der Video Assistant Referee, seit 2017 im Einsatz, wird zum Dauerthema. Abseitskalibrierungslinien, bei denen Millimeter über Tore entscheiden, Handspiel-Interpretationen, die je nach Spieltag anders ausfallen, die bangen Sekunden des Wartens auf die Entscheidung aus dem Kölner Keller — der Videobeweis spaltet die Bundesliga wie kaum ein anderes Thema. Die Fans hassen die Unterbrechungen, die Vereine wollen Gerechtigkeit, die Schiedsrichter stehen dazwischen.
7. Die neue Bundesliga
Im Sommer 2025 vollzieht sich ein Umbruch, der die Konturen der Bundesliga nachhaltig verändert. Xabi Alonso folgt dem Ruf von Real Madrid. Florian Wirtz wechselt zum FC Liverpool. Granit Xhaka, Jeremie Frimpong, Lukas Hradecky — das Rückgrat der Invincible-Saison verlässt Leverkusen. Erik ten Hag, zuvor bei Manchester United entlassen, übernimmt als Trainer. Der Meister von gestern muss sich komplett neu erfinden.
Jürgen Klopp, der Mann, der Mainz 05 zum Aufsteiger und Borussia Dortmund zum Champions-League-Finalisten machte, kehrt nach seinem emotionalen Abschied aus Liverpool in den deutschen Fußball zurück — allerdings nicht als Trainer, sondern als „Head of Global Soccer" bei Red Bull. Der Kulturschock ist gewaltig: Klopp, der Sympathieträger, der Mann des Volkes, im Dienst des umstrittensten Investors der Liga-Geschichte. Die Fanszenen reagieren gespalten. Aber Klopp wäre nicht Klopp, wenn ihn das aufhalten würde.
Holstein Kiel und der 1. FC Heidenheim spielen erstmals in der Bundesliga — zwei Klubs, die noch vor wenigen Jahren im Amateurfußball zu Hause waren. Dass ein Verein aus einer Kleinstadt an der Ostsee und ein Klub von der Schwäbischen Alb in der höchsten deutschen Spielklasse mitspielen, sagt etwas über die Durchlässigkeit des Systems — und über die wachsende Zerklüftung zwischen Spitze und Breite.
Die Saison 2025/26 läuft, Bayern führt die Tabelle an, Leverkusen baut um, Dortmund sucht eine neue Identität. Die Bundesliga ist, wie sie immer war: unberechenbar in den Details, vorhersehbar an der Spitze, leidenschaftlich in den Kurven. Aber die siebte Dekade hat etwas verändert. Die Stille der Geisterspiele, das Brechen der Bayern-Serie, die Fan-Revolte gegen die Investoren — das alles hat den deutschen Fußball gezwungen, sich mit der Frage auseinanderzusetzen, was er sein will. Die Antwort steht noch aus.
6b. Der Graben
Es ist eine Zahl, die alles sagt: Als der FC Chelsea im Mai 2025 für einen einzigen Spieler — nicht den besten der Welt, nicht den zweitbesten, einfach einen guten Premier-League-Spieler — mehr bezahlt als der gesamte Kader von Holstein Kiel wert ist, wird deutlich, in welcher Liga die Bundesliga tatsächlich spielt. Und in welcher nicht.
Der Graben zwischen der Premier League und dem Rest Europas ist in der siebten Dekade zur Schlucht geworden. Die Zahlen sind ernüchternd: Die englische Liga generiert aus internationalen TV-Rechten mehr Geld als die Bundesliga insgesamt aus allen Erlösquellen zusammen. Die Ursachen reichen 25 Jahre zurück. Als die Premier League in den frühen 2000er Jahren aggressiv nach Asien, in den Nahen Osten und nach Nordamerika expandierte, diskutierte die Bundesliga über Anstoßzeiten am Samstagvormittag. Die Auslandsvermarktung wurde verschlafen, verdattelt, versäumt — und der Vorsprung, den die Engländer aufgebaut haben, ist nicht mehr aufzuholen. Nicht in zehn Jahren, wahrscheinlich nicht in zwanzig.
Die 50+1-Regel verstärkt das Dilemma. Sie ist das Herzstück der deutschen Fußball-Identität, der Grund, warum Stehplätze noch existieren, warum Tickets bezahlbar sind, warum Fans mitbestimmen können. Aber sie ist auch der Grund, warum kein deutsches Äquivalent zu Manchester City, Chelsea oder Newcastle entstehen kann. Die Bundesliga hat sich entschieden — bewusst oder unbewusst —, den Fußball der Fans dem Fußball des Kapitals vorzuziehen. Der Preis dafür zeigt sich in der Champions League. Seit 2001 hat kein deutscher Verein außer dem FC Bayern München die Champions League gewonnen. Und selbst Bayern wartet seit 2020 auf den nächsten Titel. Borussia Dortmund erreicht gelegentlich ein Halbfinale oder Finale, aber der Rest — Leipzig, Leverkusen, Frankfurt — bleibt in Europa Laufkundschaft. Die Bundesliga ist eine nationale Liga mit nationaler Reichweite, die internationale Ansprüche formuliert, ohne die Mittel zu haben, sie einzulösen.
Das Produkt selbst leidet unter der Vorhersehbarkeit. Wenn Bayern München Jahr für Jahr mit acht, zehn, zwölf Punkten Vorsprung Meister wird, oft vor dem 30. Spieltag, dann ist das sportlich beeindruckend, aber als Unterhaltungsprodukt eine Katastrophe. Kein Fernsehsender in Tokio oder New York bezahlt Premiumpreise für eine Liga, deren Ausgang feststeht. Leverkusens Invincible-Saison 2024 war eine Ausnahme, die die Regel bestätigt: Sobald Bayern die Mannschaft stabilisiert, kehrt die Monotonie zurück.
Gleichzeitig vollzieht sich auf den unteren Etagen ein stiller Umbruch, der die DNA der Liga verändert. Die Traditionsvereine — Hamburger SV, Schalke 04, 1. FC Köln, Hertha BSC — verbringen große Teile dieser Dekade in der zweiten Liga. Klubs mit Stadien für 50.000 bis 62.000 Zuschauer, mit Millionen-Etats und historischem Gewicht, die den Fahrstuhl zwischen den Ligen nicht verlassen können. Das Peter-Prinzip — in jeder Hierarchie werden Beschäftigte so lange befördert, bis sie auf einen Posten gelangen, auf dem sie inkompetent sind — ist eine Konstante im Management dieser Vereine. Präsidenten, die Geschäftsführer spielen, Geschäftsführer, die Sportdirektoren spielen, Sportdirektoren, die Trainer spielen. Der ewige Kreislauf aus Größenwahn, Fehlentscheidungen und der Unfähigkeit, die eigene Mittelmäßigkeit zu akzeptieren.
Gleichzeitig steigen Klubs in die Bundesliga auf, die niemand auf der Rechnung hatte: Heidenheim, Holstein Kiel, und die SV Elversberg kratzt an der Tür. Vereine aus Kleinstädten, mit Etats, die bei den Großen als Portokasse durchgingen, aber mit Strukturen, die funktionieren, mit Trainern, die Spieler entwickeln, und mit einer Demut, die den gefallenen Riesen fehlt. Es ist die Ironie der Bundesliga: Die 50+1-Regel, die den Fußball der Fans schützen soll, schützt auch die Inkompetenz der Funktionäre — denn wo kein Investor die Macht hat, Verantwortliche zu entlassen, bleiben die falschen Leute oft am längsten.
Die Soccer-Economics-Analyse auf dieser Seite wird die Finanzen dahinter offenlegen: Wer wirtschaftet nachhaltig, wer verbrennt Geld, wer hat eine Zukunft — und wer lebt von der Vergangenheit.