Sechste Dekade
2013–2020: Bayern-Dominanz, Guardiola, Pep und der Beginn der COVID-Ära
Bayern-Macher Uli Hoeneß schleicht in der Halbzeitpause der Partie seiner Bayern gegen Eintracht Frankfurt am 18. Mai 2019 unruhig wie ein Tiger im VIP-Bereich der Münchner Allianz Arena herum. Gestikulierend weist er seinen Sitznachbarn und Vorstandskollegen Karl-Heinz Rummenigge – kein Treffer für oder gegen die Bayern, bei dem dieses Duo vom TV nicht gezeigt wird - darauf hin, dass bei einem "schnellen Gegentor" der Frankfurter noch mal alles kippen kann in diesem Saisonfinale. Die Gäste aus Hessen, die nach 50 Minuten durch Sebastién Haller zum 1:1 ausgleichen, wollen aus eigener Kraft wieder ins internationale Geschäft. Drei Minuten später löst sich für den FC Bayern alles in Wohlgefallen auf: 2:1 durch David Alaba, 5:1 der Endstand, Deutscher Meister 2019, zum siebten Mal in Folge – der Ansturm der Konkurrenz ist gerade noch mal abgewehrt!
Bayern und der BVB an der Spitze – und sonst so?
Der in den 2010er-Jahren zum Dauerrivalen der "Großkopferten" wieder erstarkte gelbe Riese Borussia Dortmund hat das Rennen um die Meisterschaft bis in die letzte Halbzeit der Saison 2018/19 offengehalten. Mehr noch: Der BVB sieht am 16. Spieltag bei 9 Punkten Vorsprung auf den Serien-Meister schon wie der designierte, neue Titelträger aus. Das wird er nicht, aber es ist das erste Mal seit 2009, dass die Fans eine Titel-Entscheidung am letzten Spieltag erleben. Begrifflichkeiten wie "Herzschlagfinale" oder "Fotofinish", die findige Reporter für die Dramatik der Saisonfinals der 1990er- und frühen 2000er-Jahre etabliert haben, kennen die Jüngeren allenfalls von YouTube oder von den Erzählungen der Alten. Die beiden Schwergewichte der Dekade, Bayern München und Borussia Dortmund, sind mit Ausnahme der Spielzeit 2018/19 immer weit vor Saisonende Deutscher Meister.
Die Münchner betonieren die Bundesliga ab 2013 mit einem auf hohen Ballbesitz, durch die eigenen Reihen zirkulierendem Spielgerät und schnellem Passspiel ("Tiki-Taka") basierenden System von Erfolgstrainer Pep Guardiola ("Thiago oder nichts") spannungstechnisch so richtig zu. In der Saison 2013/14 dürfen sie bereits am 27. Spieltag feiern, so früh wie noch kein Bundesliga-Meister vor und nach ihnen. In der "Triple"-Saison 2012/13 bringen die Münchner sogar 25 Punkte zwischen sich und Titelverteidiger Dortmund. Die Frage ist nicht mehr, wer Deutscher Meister wird, sondern nur, wann der FC Bayern den Sack zumacht. „Wir können doch nichts für die Unfähigkeit der anderen Klubs", sagt Bayern-Legende Paul Breitner Ende 2014 fast entschuldigend, nachdem die Großkopferten aus München am Ende der Hinrunde 11 Punkte vor dem "Verfolger" VfL Wolfsburg liegen…
Wembley, Rio und die Scheinblüte des deutschen Fußballs
Begonnen hat dieser neue Dualismus mit dem größten Europacupspiel in der Geschichte des deutschen Fußballs. Es ist das "deutschen Finale" in der Champions League am 25. Mai 2013 im Londoner Wembley-Stadion. Ein Spiel, das eine Art Fanal für das ist, was in der kommenden Dekade zu erwarten ist. Die Bundesliga als Nummer 1 in Europa. Das ist, so mutmaßen Berufsoptimisten, der Beginn einer neuen, goldenen Ära für den deutschen Fußball. Der WM-Triumph am 13. Juli 2014 in Rio de Janeiro scheint diese Prognose zu bestätigen. Die Mannschaft von Bundestrainer Joachim Löw wird gestützt durch sieben Spieler des FC Bayern und vier von Borussia Dortmund Weltmeister. „64 Spiele, 171 Tore, rund 20 Männer kickten einen Ball über 120 Minuten umher und am Ende – muss ich es Ihnen wirklich sagen – gewannen die Deutschen", gibt England-Legende Gary Lineker nach dem Finale gegen Argentinien (1:0 n. V.) auf.
Abb. 2.6.1 Infografik by Ligalive. Bild von Imago Images, Infografik von Andjela Jankovic im Auftrag von Closelook Venture GmbH
Im Europapokal blamiert sich die Bundesliga, so gut sie kann
Der gute Gary liegt falsch! Euphorische deutsche Fans ebenso. Es ist eine Scheinblüte. Die ab 2004 noch unter Jürgen Klinsmann aufbegehrende "goldene Generation" der Lahms, Schweinsteigers, Podolskis und Kloses hat endlich geliefert. Mehr nicht. Die Bilanz für "Die Mannschaft" ist seit 2014 ebenso ernüchternd wie die der Bundesliga. Erreicht der amtierende Weltmeister aus Deutschland 2016 bei der EURO in Frankreich noch das Halbfinale, so werden die Jahre ab 2013 auf der Ebene der großen Turniere auch für immer mit dem größten Desaster einer deutschen Nationalmannschaft in Verbindung stehen. Die WM 2018 mit dem historischen Vorrunden-Aus für Deutschland als Titelverteidiger bildet den absoluten Tiefpunkt. Ein Kollektivschaden. „Auf das blamable WM-Aus der deutschen Nationalmannschaft folgte die frappierende Unterlegenheit der Bundesligisten im Europapokal. Abgesehen von Eintracht Frankfurt natürlich", bilanziert Kicker-Chefredakteur Jörg Jakob am Ende der Nach-WM-Saison 2018/19. Seit 2013 und bis 2019 hat keine deutsche Mannschaft mehr ein Europapokalfinale erreicht. Dass das Ansehen und die sportliche Qualität der Bundesliga mit den beiden Spitzenteams FC Bayern und Borussia Dortmund steht und fällt, schadet der Liga insgesamt. In der Saison 2018/19 scheitern die drei bestplatzierten Bundesliga-Teams aus dem Vorjahr, Bayern, Schalke 04 und der BVB, krachend und ohne ein aus dem Spiel heraus erzieltes Tor an den Spitzenklubs der mit TV-Milliarden aufgerüsteten englischen Premier League, FC Liverpool, Manchester City und Tottenham Hotspur.
Eintracht Frankfurt: Die letzten Romantiker
Es hat etwas von Fußballromantik, dass ausgerechnet der wackere Außenseiter Eintracht Frankfurt die "Ehre" der Bundesliga rettet und das Halbfinale der Europa League erreicht. Wer gehofft hat, dass die "Büffelherde", wie das stürmisch-drängerische Team des österreichischen Trainers Adi Hütter mit den Stürmern Sebastien Haller, Luka Jovic und Ante Rebic vom Boulevard genannt wird, den Glauben an den "ehrlichen" Fußball zurückbringt, wird am Ende des Sommers 2019 enttäuscht sein. Die Frankfurter verlieren ihr Tor-Trio komplett an die finanziell potenteren Teams Real Madrid, West Ham United und AC Mailand. Der Verkauf von Luka Jovic an "die Königlichen" spült den Hessen die Rekord-Summe von 60 Mio. Euro in die Kassen, noch aber ist kein deutscher Spieler unter den "100-Millionen-Euro plus X-Transfers", die in dieser Dekade den neuen mathematischen Limes für Ablösesummen bilden. Der Leverkusener Himmelsstürmer Kai Havertz oder Leroy Sané von Manchester City könnten Kandidaten für den Titel "Der 100-Millionen-Euro-Mann" sein.
Investorenklubs: Gekommen, um zu bleiben!
Am 21. Dezember 2016 wehrt der FC Bayern München mit einem klaren 3:0 den Sturm eines Emporkömmlings ab, den zu Beginn des Jahrzehnts noch niemand auf der Rechnung hat: RB Leipzig. Der als "RasenBallsport" firmierende Klub ist eigentlich und auch uneigentlich ein Fußball-Franchise aus dem Hause des Getränke-Giganten Red Bull. RBL hat nach dem mit Brause-Millionen erkauften Bundesliga-Aufstieg 2016 so ziemlich alle Hater gegen sich, stürmt zwischen dem 11. und dem 14. Spieltag vorübergehend an die Tabellenspitze und wird von Uli Hoeneß bei dessen Comeback als Bayern-Präsident nach verbüßter Haftstrafe am 25. November 2016 offiziell zum "Staatsfeind" des Rekordmeisters erklärt. „Wir haben neben Dortmund noch einen neuen Feind", giftet Hoeneß bei seiner Antrittsrede in der Münchner Olympiahalle, "Leipzig, die haben heute 4:1 in Freiburg gewonnen." Der Investorenklub kann die Münchner Dominanz (noch) nicht gefährden, aber die Vizemeisterschaft 2017 bringt den bis heute ersten Sprung eines Bundesliga-Neulings in die Champions League. Ein Erfolg, der unter widrigen Umständen erspielt wird. Fast in allen gegnerischen Stadien – sieht man mal vom Berliner Olympiastadion ab, wo Leipzig am 32. Spieltag beim 4:1 in die Champions League stürmt und praktisch ein Heimspiel hat – schlägt den "Roten Bullen" der blanke Hass der angeblichen "Traditionalisten" im deutschen Fußball entgegen. Was Schmähplakate jenseits der Menschenwürde und Hetzjagden auf mitgereiste RBL-Fanfamilien, wie am 4. Februar 2017 in Dortmund zu sehen, allerdings mit "Tradition" zu tun haben, wissen wahrscheinlich nicht mal die Chaoten selbst. Auch tätliche Angriffe auf RBL-Spieler und "Besuche" im Teamhotel sind spezielle "Traditionen" dieser besonderen Gattung Fan. Den Vogel innerhalb der Anti-RB-Kampagne schießen einige Supporter von Borussia Dortmund ab, die dafür vom DFB ein Spiel Sperre der berühmten Südtribüne erhalten – einmalig in der BVB-Historie. 2017 schlägt auch die Stunde eines Investorenklubs, der schon 2008 gekommen ist, um zu bleiben, 1899 Hoffenheim. Die Kraichgauer qualifizieren sich erstmals für Europa und stürmen 2018, angetrieben von einem Trainer-Rookie namens Julian Nagelsmann, erstmals in die Champions League. Dass sie diesen bis heute größten Erfolg ihrer Vereinsgeschichte ausgerechnet mit einem 3:1 gegen den ihnen in tiefer Verachtung verbundenen BVB perfekt machen, ist die Kirsche auf der TSG-Torte.
Hightech-Trainer mischen die Liga auf
Julian Nagelsmann, der 2019 über Salzburg zu Borussia Mönchengladbach in die Bundesliga gekommene Marco Rose, der bis 2015 in Dortmund erfolgreiche Jürgen Klopp, sein Nachfolger Thomas Tuchel oder der Österreicher Ralph Hasenhüttl in Leipzig prägen eine neue Spielidee. Ist zu Beginn der Dekade noch der Ballbesitzfußball eines Pep Guardiola – beim 200. Querpass der Bayern in Folge in Höhe der Mittellinie soll in der Allianz Arena schon der ein oder andere Zuschauer eingenickt sein – das Nonplusultra, so wandelt sich der Spielstil. Weg von "Tiki-Taka", hin zum "Vollgas-Fußball". "Full-Throttle-Football", so übersetzt Jürgen Klopp höchst selbst 2015 bei seiner Ankunft in Liverpool diesen von ihm geprägten Stil mit Pressing, Gegenpressing, hoher Laufintensität und offensiver Ausrichtung, vorzugsweise im 4-3-3. Die von Mehmet Scholl einmal als "Laptop-Trainer" abgestempelte neue Trainergeneration bedient sich der technischen Hilfsmittel, die ihnen ihre Zeit bietet. Biometrische Ernährungspläne, Echtzeit-Analysen am Spielfeldrand, Computer-Analyse im Vorlauf oder im Nachgang eines Spiels, sportmedizinische Feinjustierungen aller Art, Scouting mit YouTube oder über spezielle Dienstleister sorgen für den gläsernen Fußballprofi – Willkommen im 21. Jahrhundert, Bundesliga! Die Zukunft wird den Fußball-Nerds gehören.
Der "Dino" raucht ab – Darüber muss man nicht traurig sein!
Und einer ganz neuen Art von Bundesliga-Klubs! Die Zeit der Dinos ist am 12. Mai 2018 vorbei. Da passiert das, was viele "Traditionalisten" unter den deutschen Fußballfans über Jahrzehnte für undenkbar hielten. Der Hamburger SV steigt aus der Bundesliga ab. Ein 2:1-Erfolg gegen Borussia Mönchengladbach reicht am 34. Spieltag nicht aus, um den historischen Sturz des HSV in die Zweitklassigkeit zu verhindern. Schwarzer Rauch steigt von der Nordtribüne auf, wo die treuesten Fans stehen. Habemus Abstieg! Dass die Hamburger seit 2014 in fast jeder Saison bis zur allerletzten Sekunde zittern müssen, dass sie nach jeder Beinahe-Abstiegssaison weiter plan- und konzeptlos wursteln und ihren Ruf als Trainer-Schleuder zementieren – allein im Abstiegsjahr sitzen mit Markus Gisdol, Bernd Hollerbach und Christian Titz drei Mann auf der HSV-Bank –, bringt einen neuen Volkssport mit sich. Das HSV-Bashing. In den sozialen Netzwerken formiert sich eine Front von fußballaffinen Usern, die genug hat vom "Dino", dessen einzige Tradition noch die Erfolglosigkeit ist. Geld schießt überall Tore. Nur beim HSV nicht. Dabei sind die Hamburger in allerbester Gesellschaft.
Abb. 2.6.2 HSV-Bashing als Volkssport – Verdient hat es der Dino allemal. Meme by Ligalive.net
Der VfB Stuttgart, immerhin 3-mal Meister in der Bundesliga-Ära, geht 2016 und 2019 in die 2. Liga ab. Heilig’s Blechle! Hannover 96 ergeht es nicht besser. Noch schlimmer erwischt es einen Klub, der mit seinen beherzt herausgespielten Meisterschaften 1991 und 1998 einmal ganz Fußball-Deutschland begeistert hat. Der 1. FC Kaiserslautern stürzt 2018 sportlich enttäuschend und völlig heruntergewirtschaftet in die Drittklassigkeit. Die Pfälzer, bei denen ein Teil ihrer Anhängerschaft als selbst erklärte Speerspitze den "Retortenklubs" RB Leipzig und 1899 Hoffenheim den Kampf angesagt hat, verspielen 2013 in der Relegation – noch so eine Ironie des Schicksals – ausgerechnet gegen Hoffenheim ihre letzte Chance auf die Bundesliga.
Schlechte Zeiten für "Traditionsklubs"
Ebenfalls rechts und links überholt von Newcomern aus Süd- und Ostdeutschland wie FC Erzgebirge Aue, RB Leipzig, 1. FC Heidenheim, SV Sandhausen, FC Ingolstadt oder 1899 Hoffenheim werden "Traditionsklubs" und ehemalige Deutsche Meister wie der 1. FC Nürnberg und 1860 München. Die "Löwen" landen 2017 sogar in der viertklassigen Regionalliga Bayern und spielen zwischendurch zwischen Garching, Trudering und Ostfriedhof… Die No Names wie Augsburg, Hoffenheim und Mainz 05 spielen derweil in der 1. Liga um die internationalen Plätze und in der 2. Liga um den Aufstieg, nicht die in Nostalgie erstarrten Traditionalisten! Kickers Offenbach, RW Essen, Preußen Münster, MSV Duisburg, Karlsruher SC – die Liste der Traditionsklubs im deutschen Fußballkeller ist lang. Der viel geschmähte Fußball-Osten ist da keine Ausnahme: Nicht die populären Klubs der alten DDR-Ära, Dynamo Dresden oder 1. FC Magdeburg, schaffen den Sprung in die Bundesliga, sondern RB Leipzig und der 1. FC Union Berlin. Und nicht Vereine wie Carl Zeiss Jena, FC Magdeburg oder der Hallesche FC schaffen es, sich in der 2. Bundesliga zu etablieren, sondern die Kicker aus dem Schacht. Wismut Aue! (offiziell nun FC Erzgebirge Aue)
Warum? Weil sie nicht alles anders, sondern vieles besser machen! Abgesichert durch die Millionen von mächtigen Mäzenen wie Dietmar Hopp in Hoffenheim, Dietmar "Didi" Mateschitz in Leipzig oder Jürgen Machmeier im kurpfälzischen Sandhausen bündeln diese Klubs fußballerisches Know-how auf allen Ebenen – mit ganzheitlichen Konzepten und hervorragenden Jugend-Akademien. Sie arbeiten fast geräuschlos, ohne den nervigen Theaterdonner der Metropolen wie in Berlin, Hamburg und Köln, eher schwäbisch-akribisch. Hoffenheim und Leipzig etablieren sich in der 1. Liga auch deshalb so schnell, weil sie die selbst entwickelten Spieler nicht nur ins kalte Bundesliga-Wasser werfen, sondern sie auch für Top-Transfersummen veräußern. Solides Wirtschaften ist wichtiger als Star-Rummel. Und Zuschauer werden im Erlösmix der Profivereine relativ zu anderen Einnahmequellen immer unwichtiger. TV-Gelder, Sponsoren-Einnahmen, internationale Vermarktung und internationales Merchandising gepaart mit geschickten "Dealing und Wheeling Fähigkeiten" bei Spielereinkäufen und Spielerverkäufen – wer das drauf hat kann auch mit einem Ministadion wie in Hoffenheim gut über die Runden kommen. Wer das nicht kann, dem hilft auch eine regelmäßig "ausverkaufte Hütte" wie beim HSV nicht.
Die Social-Media-Liga
Zusätzliche Action und Erlöse bietet das Internet. Social Media ist die ganz große Nummer der Fußballstars. Die neuen Zweitwährungen für Stars wie Cristiano Ronaldo, Neymar, Zlatan Ibrahimovic und Co. sind "Likes" und "Followers". Influencer ist der Zweitberuf und ein Cristiano Ronaldo erhält knapp eine Millionen Euro pro Post auf Instagram. Die mediale Dauerpräsenz hat auch ihre Schattenseiten. Das lernt der französische Vize-Weltmeister Franck Ribéry im Januar 2019 kennen. Der Bayern-Profi, der 2019 mit seiner neunten Deutschen Meisterschaft einen Rekord aufstellt, tappt in die Social-Media-Falle und erntet einen Shitstorm. Ribéry hat sich vor dem Trainingslager des FC Bayern in Katar im Dubai-Urlaub in einem Gourmet-Tempel ein mit 25 Karat Blattgold überzogenes Rib-Eye ("Rib-Eye-Ry")-Steak gegönnt. Kostenpunkt: 1.200 Euro, aber warum soll man nicht zeigen, dass es einem gut geht? Das schmeckt nicht jedem. Die Kommentare seiner "Follower" kontert der Franzose mit einem verbalen Rundumschlag weit unter der Gürtellinie, Gallische Schimpfwörter ohne hochdeutsche Übersetzung, aber immerhin mit einer hohen Geldstrafe belohnt…
VAR und Torlinientechnik
Eine Diskussion über ein neues Wembley-Tor gibt es in der Bundesliga nicht mehr. Die 2015/16 eingeführte Torlinientechnik in den Varianten "Hawk-Eye" oder "Goal Control" funktioniert – in der Bundesliga und international. Viel umstrittener ist der Video Assistant Referee (VAR). Er sitzt fernab vom Spielfeld und schaut sich strittige Entscheidungen des leitenden Schiedsrichters auf einem Fernseher in der Wiederholung oder in Zeitlupe an und teilt diesem per Funk seine Sicht der Dinge mit. In der Bundesliga wird der Videobeweis in der Saison 2017/18 eingeführt, in der 2. Bundesliga in der Saison 2019/20. Allerdings nicht so wie es "international best practice" ist, sondern nach DFL-Style. Der Videoassistent sitzt nicht wie in den meisten anderen Ländern in einem TV-Wagen vor Ort am Stadion, sondern fernab in Köln. Ein anonymer Schiedsrichter bemängelt, dass die Bildqualität für die Analyse oftmals "unzureichend" und nicht in HD sei. Bei der Aufbereitung der Videos würden Operatoren helfen, die häufig weder "Berufserfahrung als Operatoren" noch "Gefühl für den Fußball" hätten. Dazu sei die Funkverbindung zwischen Videoassistent und Schiedsrichter auf dem Platz weder abhör- noch manipulationssicher und mit Störungen behaftet. So richtig scheint die Deutsche Fußball Liga nicht auf dem neuesten Stand der Technik zu sein, will es aber vielleicht auch gar nicht so machen wie die anderen 39.
Spieltagszersplitterung und neue Bewegtbildplayer
Genau wie die anderen in Europa macht es die DFL aber in punkto TV-Rechte. Ein Spieltag hat nun häufiger mal vier Kalendertage. Und ein Pay-TV Abo reicht zum Empfang aller Spiele auch nicht mehr aus. DAZN macht dem Platzhirsch Sky die Fernsehrechte streitig, die Telekom scharrt weiter mit den Hufen und neue Player wie Amazon sind bereit, noch mehr Geld für die Fußballrechte zu zahlen. Das wird dann wie ein Durchlauferhitzer an die Spieler weitergereicht. Für gute Spieler bei den einen und für schlechte bei den anderen.
Und nun40
So weit so gut. Doch was passiert in den 20-er Jahren des 21. Jahrhunderts. Wir wagen folgende Prognosen:
Als Nächstes: Sektion 3 - Fakten nicht nur für Daten-Nerds

